Seit 1948: 151 Stücke für das treue Kirchbichler Publikum

70 Jahre Volksbühne Kirchbichl
Die Geschichte eines Traditionsvereins
Die Volksbühne Kirchbichl wurde im Jahr 1948 aus der Katholischen Jugendgruppe heraus gegründet. Seitdem wurden 151 Thearer-Stücke zur Aufführung gebracht. Soviel bekannt ist, leben von den Gründungsmitgliedern heute noch Anna Fuchs, Dipl. Ing. Michael Schober, Maria Leitner und Anton Freysinger. Die Leitung hatte damals Anton Gründhammer. Als erstes Stück wurde „s'Nullerl“ aufgeführt, gespielt wurde im Schrollsaal.

Im Jahr1949 übernahm der Volksschullehrer Hermann Außerhofer die Führung des Vereins und im gleichen Jahr wurde die Gruppe in „Volksbühne Kirchbichl“ umbenannt. Die Stücke wurden damals nur je einmal in Kirchbichl aufgeführt. Man spielte aber immer wieder auch in den Nachbargemeinden. Damit verbunden war ein enormer Arbeitsaufwand für Bühnen Auf-und Abbau. Die damaligen Mitglieder haben also eine riesen Begeisterung mitgebracht, um das zu bewältigen. 1953 kaufte man das gesamte Bühnenmaterial von der Klingenschmidbühne in Bruckhäusl. Manches konnte man gebrauchen aber Vieles musste man entsorgen. Der Preis für diese Utensilien betrug 3.000 Schilling. Für die damalige Zeit war das sehr viel Geld. 1958 wurde der Landesverband der Tiroler Volksbühnen gegründet und die Volksbühne Kirchbichl war von Anfang an dabei.


Eines von 151 Theater-Stücken der Volksbühne Kirchbichl: (v. li.) Trude Henikl, Andreas Bramböck, Adele Figallo, Michael Walcher, Anni Einwaller, Kathi Rafelsberger und Friedl Pfandl 1964 in dem Lustspiel „Dreimal Liebe, einmal Hiebe“ (Foto: Volksbühne Kirchbichl)

Im Schrollsaal zu spielen und zu proben war nicht immer leicht, denn zu dieser Zeit begannen auch die Tirolerabende. Um den Aufwand zu verringern wurde ab dieser Zeit nur mehr in Kirchbichl gespielt. Dafür wurden die Stücke zweimal aufgeführt, einmal am Nachmittag und einmal am Abend, was vom Puplikum freudig angenommen wurde. Für die Stücke probte man zur damaligen Zeit höchstens 8 bis 10 mal. Im Gegensatz dazu finden heute 20 Proben und mehr statt. Zwischen 1960 und 1962 durchlebte die Bühne eine schwierige Zeit. Mangels Spielerinnen und Spielern stand der Verein kurz vor der Auflösung. 1962 stieß aber Dr. Peter Sojer zum Verein und schaffte es mit Hilfe von Frau Sachsenmeier aus Kufstein ein Stück auf die Beine zu stellen. Durch sein Engagement und seiner Begeisterung konnte Dr. Sojer junge, talentierte Burschen und Mädchen zum Verein bringen. Die Stücke wurden ab dieser Zeit öfter gespielt und die Mitglieder der Volksbühne freuten sich über den regen Zuspruch der Bevölkerung.

1971 übernahm Anton Hager die Volksbühne Kirchbichl als Obmann. 2017 verstarb „Toni“ nach längerer Krankeit. Er wird den Mitgliedern der Volksbühne immer in Erinnerung bleiben. Unter Toni Hagers Führung begann man zwei Stücke pro Jahr aufzuführen. Leider wurde es im Schrollsaal immer schwieriger zu spielen, weil die Familie Schroll den Saal für ihre eigenen Veranstaltungen benötigte. Gott sei dank wurde damals in Kirchbichl ein neuer Pfarrhof mit einem großen Veranstaltungssaal gebaut, die Gelegenheit ein neues Quartier zu bekommen.

Das Erzdiözese Salzburg genehmigte den Schauspielerinnen und Schauspielern die Benützung des neuen Saals. Seither ist der Pfarrsaal Heimat der Volksbühne Kirchbichl. 1973 wurde zum erstenmal im Pfarrsaal gespielt. 1978 übernimmt Gerd Martin den Verein als Obmann und die Zusammenarbeit mit dem damals neuen Pfarrer von Kirchbichl Hochwürden Günther Guggumos klappte hervorragend. Die Volksbühne bekam die Genehmigung einen Schminkraum an den Pfarrsaal anzubauen. 1980 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, 1981 wurde der Schminkraum eingeweiht. 1981 wurde Gaby Sojer Obfrau. Ein Jahr später beteiligte sich die Volksbühne das erstemal am Kirchbichler Waldfest. Jahrelang war es ein schönes, lustiges aber auch sehr arbeitsintensives Fest für alle Mitglieder.


Seit einigen Jahren wird bei der Volksbühne auch regelmäßig Kinder- und Jugendtheater in Szene gesetzt. Wie auf dem Bild im Jahr 2015 mit „Schneewittchen und die 8 Tirolerinnen“.

1986 stirbt leider viel zu früh Dr. Peter Sojer. Sein Tod hinterläßt im Verein eine große Lücke. Mit dem Einbau einer Gasheizung im Jahr 1991 konnte die Spielzeit auf das gesamte Jahr ausgedehnt werden. Seither sind Aufführungen auch im Winter oder Frühjahr möglich. 1992 übernimmt Kathi Rafelsberger die Führung des Vereins. Unter ihrer Regie wurde 1996 Umbau die Gardarobe in eine Teeküche umgebaut, ein neuer blickdichter Vorhang wurde angeschafft. Mit Hilfe des Landesverbandes und der Gemeinde Kirchbichl konnte ein Jahr später eine Tonanlage angeschafft und eingebaut werden. Seither sind aufwendigere Aufführungen mit Effekten und Musik möglich. Im Jahr des 50-jährigen Vereinsjubiläums 1998 setzte ein mächtiges Sommergewitter die Küche und den Pfarrsaal unter Wasser. Mit vereinten Kräften und mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr konnten die Schäden aber beseitigt werden. Der Gemeindebauhof hat dann die Randsteine am Gehweg oberhalb des Pfarrsaals erhöht und seither kann kein Wasser mehr eindringen. Die 50 Jahr Feier konnte dann schon wieder im Pfarrsaal gefeiert werden. Zum zweiten Mal übernimmt Gerd Martin 2005 die Geschicke der Volksbühne. Anstelle des Waldfestes findet 2006 erstmals das Reblausfest im Pfarrsaal alternativ zum Waldfest statt. Das Fest fand guten Anklang und wurde weitergeführt bis zum Einstieg der Volksbühne 2013 beim allseits beliebten Summatreff. 2010 nahmen der Verein Abschied von Ehrenobfrau Gaby Sojer, die im 89. Lebensjahr verstorben war. Bis kurz vor ihrem Tod war Gaby Sojer im Verein mit dabei und bis ins hohe Alter stand sie auf der Bühne.


Vereinsausflug 2009 zum „Jedermann“ nach Salzburg.

Bereits mit 13 Jahren stand Michael Walcher (Boar Bauer) erstmals auf der Bühne. In unzähligen Stücken begeisterte er das Publikum. Unermüdlich arbeitete er am Aufbau der Bühne auch hinter den Kulissen mit. 2011 wurde Michael Walcher für sage und schreibe 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Mit tiefer Trauer mussten sich die Mitglieder der Volksbühne 2015 von Michael Walcher für immer verabschieden, der im 77 Lebensjahr unerwartet verstorben war. Unter dem neuen Obmann Markus Neuner erfolgte 2013 die Neugestaltung des Schminkraumes, der ohne die großzügige Unterstützung lokaler Sponsoren und der Gemeinde nicht möglich gewesen wäre. Herzlichen Dank an alle. Die Volksbühne beteiligt sich seit Jahren auch an Festen und besonderen Jubiläen mit Sketches und manch eine/r wurde bereits dabei auf humorvolle Weise „verrissen“. Als Lohn für die Arbeit während des Jahres gibt es für die Mitglieder einmal im Jahr einen tollen Ausflug. Unzählige Nächte wurden dabei durchgefeiert und unvergessliche Erinnerungen gesammelt. Immer wieder stehen bei diesen Ausflügen auch Theaterbesuche auf dem Programm. So besuchte man 2009 eine Aufführung von „Jedermann in Salzburg“.


Einweihung des umgebauten Schminkraums 2013: Sponsoren und Unterstützer stoßen auf das gelungene Projekt an.

In einer Kooperation mit dem Altenheim Kirchbichl werden die Bewohner seit Jahren als Gäste zu den Generalproben der Stücke der Volksbühne eingeladen, was sehr großen Anklang findet. Seit 2006 werden von der Volksbühne auch Kinder- und Jugendtheater-Aufführungen in Szene gesetzt. Die Kinder und Jugendlichen sind mit Feuer und Flamme dabei. Waren es anfangs noch kürzere Sketche, die im Rahmen des Reblausfestes gezeigt wurden, wurden in den vergangenen Jahren mit „Super Mario rettet Frau Holle“, „Schneewittchen und die 8 Tirolerinnen“, „Der Zauberer von OZ“ drei große Stücke aufgeführt. Im Jubiläumsjahr 2018 wird es wieder ein Kinder- und Jugendtheater geben.

Die Volksbühne Kirchbichl spielt pro Jahr zwei Theaterstücke. Jedes davon wird sieben mal aufgeführt und die Mitglieder bemühen sich, immer wieder neu, unterhaltsame Stücke zu finden, sie gut aufzubereiten und zu spielen. Der Dank gebührt aber dem Theater Puplikum, das die Schauspielerinnen und Schauspieler seit nun 70 Jahren mit ihren treuen und regelmäßigen Besuchen verwöhnt. Und wir hoffen, dass es auch in den kommenden 70 Jahren noch viele spannende und unterhaltsame Aufführungen in Kirchbichl geben wird, bei denen das Publikum herzhaft lachen kann und auch über die eine oder andere Szene zum Nachdenken gebracht wird.
 



Das Ensemble des Frühjahrsstückes „Deifi Sparifankerl“ im Jubiläumsjahr. Premiere war am 13. April 2018.


Wir danken allen unseren treuen Stammgästen und den zahlreichen neuen Besuchern für ihr
Kommen und freuen uns schon auf ein Wiedersehen.